So dengelt man heiliges Blech

Cottbuser Rarität: Oldtimerakademie der Handwerkskammer schult Fahrzeugrestaurateure

 

Cottbus-Gallinchen. Wer alte Fahrzeuge fachmännisch wiederherstellen will, kann das in der Oldtimer Akademie der Cottbuser Handwerkskammer lernen. Sie ist in Ostdeutschland die einzige Ausbildungsstätte mit Schwerpunkt Fahrzeugrestaurierung. Dem Kennenlernen und Ausprobieren dieses traditionsreichen Handwerks dient ein Schnupperkurs von zwei Tagen. Wer den mitmacht, der dengelt und formt aus einer Tafel Tiefziehblech schließlich einen Motorradkotflügel. Wie sie ihre Oldtimer in Schwung halten, zeigen die Autobegeisterten am 11. Juni mit einer Ausfahrt, die im Berufsbildungszentrum Gallinchen beginnt.

 

Von Volkmar Küch

 

Vom Kleinwagen bis zum Traktor gibt es vieles, was Liebhaber oder Fachwerkstätten lange erhalten wollen. Zumal, wenn das „heilige Blech“ älter als 30 Jahre ist und sich dann Oldtimer nennen darf. Das gilt auch für den Opel-Olympia, der 60 Jahre auf dem Blech hat und als Übungsfahrzeug für die Auszubildenden dient. Wenn sie nach drei Kursen ihren Lehrgangsabschluss erhalten, dürfen sie sich Fachkraft für die Aufbereitung und Restaurierung historischer Kraftfahrzeuge nennen. In Gruppen bis sechs Personen können sich hier sowohl der Privatmann ohne KFZ-Ausbildung als auch der Auto-Profi das nötige Know-how holen.

 

Seltene Kunst

 

Ausbilder Sven Kochan kennt das alles von der Pike auf. Er legte Hand an Motorräder wie die RT oder Autos wie den Wartburg, um Meister des Kfz-Handwerks und des Karosserie- und Fahrzeugbaus zu werden. Den angehenden Fahrzeugrestauratoren zeigt er, wie aus flachen Blechen bauchige Kotflügel werden, wie historische Schweißtechniken und das Verzinnen gegen den Zahn der Zeit helfen. Die historische Karosseriebaukunst jenseits der Schweißroboter hat sich rar gemacht. Fachmänner wie Kochan, aus denen eine gehörige Portion Liebe zum Detail sprüht, sind selten. Bei dem Wort Fach-„mann“ erwähnt der Ausbilder und Dozent, dass es auch schon Frauen gab, die in der Oldtimer Akademie nachfragten. Ein Hoffnungsschimmer … Wer sich in der alten Kunst übt, muss aber nicht ganz auf moderne Hilfsmittel verzichten. In ihren Werkstätten hat die Oldtimer Akademie neben dem Holzhammer und dem Ledersack auch teure Maschinen, die das Strecken und Glätten des Metalls erleichtern.

 

Wert und Gebrauchswert

 

Alles wird glatt, alles wird schick und glänzt. Natürlich sind die Gefährte auch wertvoller, wenn sie historisch getreu aufgearbeitet werden. Darauf besteht der Sammler und Oldtimerfan. Er will nicht die billige Kopie, sondern das restaurierte Original. Deshalb bietet die Akademie auch Rüstzeug für den Kauf und Verkauf von Oldtimern, wo das fachliche Bewerten und das kaufmännische Handeln geschult werden. Doch das Auto als Wertanlage ist hierzulande nicht so gefragt wie die Erhaltung der Gebrauchswerte. Viele betagte Traktoren rollen auf dem kleinen privaten Acker viel mehr als auf der Oldtimer-Rallyestrecke.

 

Alte Gurken?

 

Und dennoch: Wer ein Herz für das Alte hat, der will, dass es auch gut aussieht. Der will auch öffentlich machen, dass sein heiliges Blech gut  beieinander ist. Deshalb nimmt das Anschauen und Fachsimpeln, der Blick unter die Motorhaube, das „Benzingespräch“ bei den Ausfahrten so viel Raum und Zeit ein. Deshalb hilft Ausbilder Kochan bei der Veranstaltung solcher Oldtimertreffen wie dem der „Alten Spreewaldgurken“ am 11. Juni. Für ihn ist das nicht nur die Schau der alten Autos,  sondern auch die Präsentation seines historischen Handwerks.

 

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